Der Seniorenblog aus Sachsen

Rund um die Uhr Betreuung – Kosten und Legalität osteuropäischer Pflegekräfte

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24h-Betreuung als liebevolle und bezahlbare Alternative zum Altenheim

Altenpflege,Altenheim,

Eine 24h-Betreuung aus osteuropäischen Ländern wie bspw. Polen gewinnt in den letzten Jahren stark an Bedeutung. Die Vorteile für pflegebedürftige Personen liegen auf der Hand:

  • Der bisherige Lebensmittelpunkt und die häusliche Umgebung bleiben erhalten
  • Eine Betreuungskraft ist quasi ‚rund um die Uhr‘ im Haushalt und kümmert sich
  • Die Kosten sind im Vergleich zum Altenheim überschaubar

Die Betreuungskräfte verrichten in der Regel die folgenden Tätigkeiten, entlasten damit die Familie und tragen oft zu einer Entspannung der Pflege bei:

  • Hauswirtschaftliche Grundtätigkeiten
  • Grundpflege
  • Aktivierende Pflege
  • Gesellschaft und Motivation

Doch wie kann eine solche Betreuungskraft in einem hilfebedürftigen Haushalt überhaupt beschäftigt werden?

Im Folgenden möchten wir Ihnen einen Überblick für pflegende Angehörige bieten und haben uns deshalb mit Katja Holsing (examinierte Altenpflegerin und Pflegefachkraft nach § 71 SGB XI (PDL)) von Jacura, einer Vermittlungsagentur für 24h Seniorenbetreuung, unterhalten.

Hier sind die gängigsten Vertragsmodelle, die im Gespräch besprochen wurden:

1. Die Betreuungskraft ist nach dem Entsendegesetz angestellt

Die Pflegekraft aus Osteuropa ist in diesem Fall bei einer Firma in ihrem Heimatland (Polen, Slowakei, Rumänien, etc.) angestellt. Es gilt hier das Entsendegesetz für Arbeitnehmer aus dem Ausland, welches die Arbeitsbedingungen regelt. 

Das bedeutet: Die Firma im Heimatland zahlt das Gehalt der Pflegekraft sowie alle Steuern und Sozialabgaben. Das muss durch die sogenannte A1-Bescheinigung bestätigt werden (zumindest wenn die Betreuungskraft aus Polen stammt und bei der dortigen ZUS gemeldet wird).

Ganz wichtig zu beachten: Der Mindestlohn, in Deutschland seit dem 01.01.2015 geltend, gilt auch für entsandte 24-Stunden-Pflegekräfte. Mehr zum Mindestlohn und den Kosten einer 24 Stunden Betreuung.

2. Die Betreuungskraft arbeitet als Selbstständige

Dieses Modell ist in letzter Zeit vermehrt aufgekommen, aber strittig diskutiert, da es für Haushalte einige Nachteile aufweisen kann. Um den gesetzlichen Mindestlohn zu umgehen und Pflegekräfte aus Polen & Co. weiter günstig anzubieten, werden Pflegekräfte oft als Selbstständige geführt und vermittelt. Das Problem ist aber: Weil die ‚Selbstständigen‘ meist nur in einem einzigen deutschen Haushalt arbeiten und leben, stehen sie in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis. Die Folge ist, dass sie als scheinselbstständig eingestuft werden, denn es müssen über das Jahr mehrere Auftraggeber existieren (i.d.R. 5 Stück), was nicht selten gar nicht der Fall ist. Im schlimmsten Fall müssen die Auftraggeber/ Pflegefamilien ein Bußgeld sowie Steuern und Sozialabgaben nachzahlen. Dies kann empfindlich hoch sein und passiert regelmäßig. Zudem sind selbstständigen Betreuungskräfte mehr oder weniger frei in ihren Entscheidungen und deshalb kommt es vor, dass sie – wenn ihnen die Bedingungen vor Ort nicht gefallen – von einem auf den anderen Tag abreisen. Das ist bspw. beim o.g. Entsendemodell so nicht der Fall.

3. Beschäftigungsverhältnis zwischen Pflegefamilie und Betreuungskraft

Dieses Modell ist generell das transparenteste Modell, denn der Arbeitsvertrag besteht direkt zwischen der Betreuungskraft und der Pflegefamilie, d.h., die Pflegefamilie wird selbst zum Arbeitgeber.

Das bedeutet aber auch einen ziemlich großen bürokratischen Aufwand, denn die Pflegefamilie muss das Personal anmelden. Das Problem dabei ist, dass die Pflegekräfte aus Osteuropa oftmals nur drei Monate hier in Deutschland bleiben und dann in ihre Heimat zurückfahren. Dann ist die Pflegefamilie gezwungen, den kompletten Prozess mit An- und Abmelden immer wieder neu zu durchlaufen. Dieses Modell empfiehlt sich also nur für Personen, die dauerhaft eine 24h-Pflegekraft beschäftigen können und möchten.

Welches Modell der 24 Stunden Betreuung ist also geeignet?

Pauschal ist das schwer zu beantworten. Eine Direktanstellung wird jedoch nur sehr selten gemacht, da Kosten und Bürokratie für die Haushalte meist enorm hoch sind. Selbstständige werden kritisch beäugt, da der Vorwurf der Selbstständigkeit oftmals fällt und es regelmäßig Fälle gibt, in denen Haushalte in Berührung mit dem deutschen Zoll kommen und Sozialabgaben etc. nachgefordert werden.

Das Entsendemodell der 24h Betreuung ist daher sowohl kostenseitig als auch von der rechtlichen Basis her meist zu empfehlen.

Zu beachten ist auch, dass es zu einer 24 Stunden Betreuung zwar keine direkten staatlichen Zuschüsse gibt, aber sehr wohl das Pflegegeld genutzt werden kann und auch teilweise steuerliche Anrechenbarkeit besteht.

Autorenteam Sonja und Harry Bode