Der Seniorenblog aus Sachsen

Therapietreue – Medikamententreue – Compliance

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Red nailed elderly woman's hands picking pills and capsules from a plate on dinner table

Bildquelle: Fotolia-#71017017

Therapietreue – Medikamententreue – Compliance bei Senioren

Viele Patienten nehmen die ärztlich verordneten Medikamente falsch oder gar nicht ein. Diese Patienten wissen oft nicht, welche gesundheitlichen Schäden daraus für sie resultieren können. 

684230_web_R_K_B_by_I-vista_pixelio.deBis zu 13 Millionen EURO gehen dadurch dem Gesundheitssystem in Deutschland verloren. Vor allem bei chronisch Kranken und Menschen, die mehrere Medikamente brauchen, verursacht die mangelnde Therapietreue Kosten durch Folgeerkrankungen und Krankenhausaufenthalte.

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Die Gründe für dieses Verhalten bei Patienten sind vielschichtig.  Meist nehmen Patienten ihre Arznei aufgrund von Vergesslichkeit, Verunsicherung oder fehlender Motivation nicht ein. Gerade bei dem Faktor Vergesslichkeit spielt das Alter der Patienten eine große Rolle. 

Medikamenten-Dosierer zum Einnehmen von Tabletten (auch Anabox genannt). Fokus auf die Tabletten in der offenen Tagesbox. Unscharf im Hintergrund die dazugehörigen Medikamentenpackungen.

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Da ja das Gedächtnis im Alter nachlässt, fällt es oft schwer, den Medikamentenplan des Arztes genau zu befolgen. Hilfreich sind in diesen Fällen sogenannte Medikamentenspender, welche nach Tag und Uhrzeit befüllt werden können. Auch Uhren oder Handys mit entsprechenden Zusatz-Apps (Programmen) können eine pünktliche Einnahme von Medikamenten durch ein Signal unterstützen. Am besten ist es natürlich, wenn eine dritte Person die Einhaltung des Medikamentenplans überwacht.

Es gibt aber „Tricks“, wie man der Vergesslichkeit begegnen kann. So hat eine Studie aus den USA  (University of New York)  sehr gute Ergebnisse gebracht, indem die Einnahme von Medikamenten gekoppelt war mit anderen Tätigkeiten. Um regelmäßig an ihre Behandlung zu denken, setzten Asthmapatienten folgende Strategien ein: Sie deponierten ihr Asthmaspray an einem Stammplatz, an dem sie täglich an die Anwendung erinnert wurden, zum Beispiel neben dem Bett, im Bad oder in der Küche. Man sollte also die Einnahmezeiten dem Tagesablauf anpassen. 

730709_web_R_K_B_by_Ligamenta Wirbelsäulenzentrum_pixelio.deAufklärungsgespräche durch den Arzt, aber auch Schulungen können helfen, die eigene Erkrankung und die Wirkung der Therapie besser zu verstehen. Wer regelmäßig an Schulungen teilnimmt, bleibt eher bei seiner Therapie. Auch eine regelmäßige Überprüfung der Therapieergebnisse, zum Beispiel durch Kontrollen des Blutdrucks und weiterer Risikofaktoren, kann die Therapietreue erleichtern.

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Wenn der Patient Verbesserungen sieht, kann ihn das motivieren!

Doch nicht nur die Vergesslichkeit älterer Patienten ist ein Grund, warum man die verordneten Medikamente nicht richtig einnimmt. Bedingt durch Reformen im Gesundheitssystem kommt es regelmäßig vor, dass die Verpackungen der Medikamente sich ändert. Dies gilt auch für das Aussehen und die Farbe der einzelnen Medikamente. Zwar ist der Inhaltsstoff (Generikum) identisch, dennoch führt das geänderte Aussehen der Medikamente zu starker Unsicherheit vor allem bei älteren Patienten.

Generika

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Nachahmerpräparate, sogenannte Generika, sind günstiger als Originalpräparate – und haben dennoch die gleiche Wirkung. Problem ist jedoch, dass offenbar die Tablettentreue (Compliance) sinkt, wenn Patienten Medikamente in ungewohnter Form und Farbe erhalten. Das haben Forscher der Harvard Medical School in Boston jetzt herausgefunden. 

Nehmen Patienten Generika genauso regelmäßig ein wie Originalpräparate, profitieren sie gesundheitlich von der preisgünstigeren Alternative genauso wie vom Original. Auch Generika werden von den zuständigen Behörden gründlich geprüft und erst zugelassen, wenn sie als sicher eingestuft werden können. Zudem müssen die Hersteller  nachweisen, dass ein Generikum bioäquivalent zum Original ist, also dass der Wirkstoff genauso schnell und in gleicher Menge aufgenommen wird und am Wirkort verfügbar ist.

Close up of an elderly hand holding a box with pills

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Viele glauben auch fälschlicherweise, dass man ihnen billigere oder nicht so wirksame Medikamente gegeben hat. Hierzu ist eine Aufklärung durch den Arzt oder Apotheker unbedingt wichtig!

Weiterhin beeinflussen Beipackzettel von Medikamenten die regelmäßig verordnete Einnahme. Laut gesetzlichen Vorschriften sind die Pharmafirmen gehalten, alle Nebenwirkungen, die bei der Einnahme auftreten können, im Beipackzettel aufzuführen.

Dies gilt auch für Nebenwirkungen, welche nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit des Auftretens haben. Diese Faktoren beunruhigen natürlich die Patienten und führen zur Unsicherheit bei der Einnahme von Medikamenten. Da hilft nur eine verständliche (!) Aufklärung des Arztes bei der Verordnung.

Die „Untreue“ von Patienten wird auch dadurch hervorgerufen, dass diese nicht motiviert sind. Manche Patienten stellen zu hohe Ansprüche an die Therapie und die verordneten Medikamente. Sie sind dann enttäuscht, wenn nicht sofort die erwartete Wirkung eintrifft. Nun gibt es Medikamentengruppen z.B. Medikamente gegen Depression- welche erst nach einer längeren Einnahmezeit eine Wirkung zeigen.

Man sollte bei Problemen mit der Einnahme von Medikamenten  unbedingt ein Gespräch mit dem behandelten Arzt führen. Die Zeiten sind vorbei, in denen der Arzt verordnete und der Patient dies „ohne Fragen zu schlucken hatte“. Heute steht die Aufklärung über die Therapie an erster Stelle. 

Autorenteam Sonja Bode & Harry Bode

Textquellen auszugsweise; Wikipedia/apotheken-umschau.de/aerztezeitung.de/netdoktor.de/onmeda.de/spiegel.de/focus.de/