Der Seniorenblog aus Sachsen

Insolvenz und Überschuldung

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Insolvenz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildquelle: © fotodo – Fotolia.com

Schulden sind gewissermaßen 

der Katzenjammer längst verrauschter Genüsse.

Quelle: Georg Ludwig Weerth (1822-1856)

Ein kleines Beispiel wie Senioren in die Schuldenfalle tappen können

Nennen wir ihn Herbert S. – ein Senior, der gerade 66 Jahre alt geworden ist. Herbert S. ist heute das, was man gemeinhin „pleite“ nennt. Sein Leben war bis Ende fünfzig im Großen und Ganzen in Ordnung – bis plötzlich seine Frau starb. Diesen Schlag des Schicksals konnte er nicht verwinden. Seine Depressionen und Trauer versuchte er in Alkohol zu ertränken, obwohl er früher in seinem Leben nie übermäßig getrunken hatte.

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Bildquelle: Thorben Wengert/pixelio.de

Sein kleiner Handwerksbetrieb wurde immer mehr vernachlässigt, was dazu führte, dass fast alle Einnahmen wegbrachen. Er fing an, im Glücksspiel seine Zerstreuung zu suchen – mit fatalen Konsequenzen. Seine Lebensversicherung war längst beliehen und sein Barvermögen so gut wie aufgebraucht. 

Das Ergebnis war, dass Herbert S. sich nicht mehr um seine Finanzen kümmerte. Er öffnete keine Briefe mehr, zahlte keine Rechnungen und steckte nach und nach immer mehr „den Kopf in den Sand“. Bis zu dem Zeitpunkt, als der Gerichtsvollzieher klingelte.

Kreidetafel mit Eidesstattliche Versicherung

Bildquelle: © stockWERK – Fotolia.com

Senioren mit Schulden schämen sich

Schulden im Alter erscheinen oft wie eine ausweglose Situation – vor allem dann, wenn man im Leben nie mit großen finanziellen Problemen konfrontiert wurde. Die Zahl der Überschuldungen bei Senioren nimmt rasant zu. Viele ältere Menschen geraten „unverschuldet“ in finanzielle Not, entweder weil sich ihr Einkommen auf einmal verringert oder weil plötzlich Kosten auf sie zukommen, mit denen sie nicht gerechnet haben. Gerade diesen Menschen fällt es dann häufig schwer, über ihre Geldsorgen zu sprechen und sich möglichst frühzeitig auch professionelle Hilfe zu suchen.

Viele ältere Menschen leben deshalb mit dem Gedanken, ihre Schulden bis ans Lebensende nicht mehr loszuwerden. Eine berechtigte Sorge, wie der Blick in die Statistik der Privatkonkurse zeigt. Diese haben in keiner Altersgruppe so stark zugenommen, wie bei den über 60-Jährigen. Weit über neunzig Prozent davon betreffen sogenanntes ausgeschlagenes Erbe. Wer nämlich ein Erbe antritt, dass mit Schulden behaftet ist, übernimmt  auch diese Schulden. Das Erbe kann man in solchen Fällen ausschlagen – aber dann erhält man auch keine sonstigen aktiven Werte aus dem Erbe.

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Bildquelle: Thorben Wengert/pixelio.de

Schulden durch Bürgschaft

Dann gibt es noch viele Fälle, bei denen Senioren ihr mühsam erarbeitetes Finanzpolster durch Gutmütigkeit verlieren. Denn wer will „nein“ sagen, wenn die Kinder oder Enkel für eine Bürgschaft anfragen, welche sie zum Aufbau ihrer Existenz oder dem Studium benötigen. Dass man sich selbst in größte finanzielle Schwierigkeiten bringen kann, erfährt man dann immer erst nachher. Daher immer vorher prüfen, ob es noch andere Möglichkeiten, als eine Bürgschaft gibt.

Schulden durch riskante Geldanlage

Die Prospekte sind bunt – die versprochene Rendite ist hoch, wer kann da widerstehen? Selbst konservative Berater von Sparkassen und Volksbanken haben in der Vergangenheit wiederholt „dubiose und riskante“ Anlagen verkauft. Viele Kunden von Banken haben dadurch ihr ganzen oder zumindest Teile ihres Vermögens verloren. Beispiel dafür ist die „Lehmann Pleite“ in den USA. Äußerst vorsichtig sollte man auch sein, wenn eine Anlage übermäßige Rendite verspricht oder die Anlage sich angeblich „selbst bezahlt“. Diese Masche ist oft beim Kauf von Eigentumswohnungen vorgekommen. Angepriesene Steuersparmodelle entwickelten sich dann sehr schnell als Geldvernichtungsmaschine. Nicht zuletzt sind Ältere eine beliebte Zielgruppe windiger Geschäftemacher, die mit unseriösen Angeboten und Vertriebsmethoden schnell Kasse machen wollen.

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Bildquelle: Thorben Wengert/pixelio.de

Was aber tun, wenn man schon „mit dem Rücken zur Wand“ steht und die Schulden übermäßig hoch geworden sind?

Am ehesten merkt der Schuldner, dass nichts mehr geht, wenn Strom Telefon etc. abgestellt wurde. Auch die Kündigung von Mietraum oder die Drohung der Bank mit der Zwangsversteigerung eines Immobilienobjekts sollte ein Alarmzeichen sein. Denn die Kündigung kann drohen, wenn man bei Mietzahlungen zweimal in Rückstand gerät. Und auch bei Strom und Gas wird der Versorgungshahn abgedreht, wenn bei Abschlägen oder der Schlussrechnung ein Minus von mehr als 100 Euro aufläuft und dies auch auf eine Mahnung hin nicht ausgeglichen wird. Dann ist es höchste Zeit zu einer seriösen und professionellen Schuldnerberatung zu gehen, um das schlimmste zu verhüten. Auch sollte man dann mit der Schuldnerberatung die Möglichkeit der Privatinsolvenz ins Auge fassen. Die Webseite der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung finden Sie hier. Weitere empfehlenswerte Schuldnerberatungen wie z.B. CARITAS oder DIAKONIE finden Sie auch im Internet.

Viele Senioren über 65 Jahre wissen auch nicht, dass Ihnen Hilfe vom Staat zusteht. Ist man über 65 Jahre und hat ein Einkommen unterhalb des aktuellen Existenzminimums (für eine Person ist das 399€ zuzüglich Zuschuss zu Miete und Heizung), sollte man unbedingt die Hilfe des Staates (Grundsicherung) in Anspruch nehmen. Viele ältere Menschen schämen sich auch heute leider immer noch, diesen Weg zu gehen. Hier ist aber Scham nicht angebracht, wenn es um die Existenz eines Menschen geht. Das Finanzamt hat ja auch keine Scham, Forderungen an die Bürger mit allen Mitteln einzutreiben. 

Zusammenfassend kann man nur empfehlen, so früh wie möglich Hilfe zu suchen. Je länger man wartet, umso schwerer wird es, eine Regelung für Schulden zu finden.

Autorenteam Sonja Bode & Harry Bode

Textquellen auszugsweise: Wikipedia/nnz-online.de/zeitlupe.ch/morgenweb.de/spiegel.de/focus.de/welt.de/sueddeutsche.de/