Antithrombosestrümpfe richtig anzulegen ist oft weniger eine Kraftfrage als eine Frage der Technik. Wer dabei systematisch vorgeht, spart Zeit, schont das Material und vermeidet Druckstellen oder Falten, die den Nutzen mindern können. In diesem Beitrag zeige ich, worauf es beim Anziehen im Pflegealltag ankommt, welche Hilfsmittel wirklich helfen und wann Unterstützung sinnvoller ist als bloßes Kraftaufwand.
Die wichtigsten Punkte für den Alltag mit ATS-Strümpfen
- ATS-Strümpfe dienen vor allem der Thromboseprophylaxe bei eingeschränkter Mobilität.
- Am leichtesten lassen sie sich morgens, auf trockener Haut und im Sitzen anziehen.
- Handschuhe, Gleitsocken und Anziehgestelle sparen Kraft und schützen das Material.
- Falten, falsches Ziehen und eine unpassende Größe sind die häufigsten Fehler.
- Wenn Beweglichkeit, Hände oder Rücken Probleme machen, ist Hilfe oft die bessere Lösung.
Worum es bei ATS-Strümpfen wirklich geht
ATS steht für Antithrombosestrümpfe. Sie werden vor allem dort eingesetzt, wo Bewegung eingeschränkt ist, etwa nach Operationen, bei längeren Liegezeiten oder in der stationären Pflege. Ihr Ziel ist nicht Bequemlichkeit, sondern Thromboseprophylaxe durch gleichmäßigen Druck und einen faltenfreien Sitz.
Ich trenne das bewusst von medizinischen Kompressionsstrümpfen für venöse oder lymphatische Erkrankungen. Die Anziehtechnik ähnelt sich, aber Anlass, Tragedauer und Versorgungskonzept können unterschiedlich sein. Wer das Modell und den Zweck kennt, trifft beim Anziehen automatisch ruhigere und bessere Entscheidungen.
Genau deshalb lohnt sich der praktische Ablauf als Nächstes: nicht hektisch ziehen, sondern in einer Reihenfolge arbeiten, die funktioniert.

So gelingt das Anziehen Schritt für Schritt
Ich mache daraus immer zwei kurze Phasen: vorbereiten und anlegen. Das klingt simpel, ist aber im Alltag der größte Unterschied zwischen einem sauberen Sitz und einem Strumpf, der schon nach zwei Minuten an der falschen Stelle hängt.
- Ich ziehe die Strümpfe möglichst direkt nach dem Aufstehen an, solange Beine und Füße noch wenig geschwollen sind.
- Hände, Haut und Material müssen trocken sein. Frisch aufgetragene Creme lasse ich erst einziehen, sonst rutscht das Gestrick schlechter.
- Ringe, Armbänder und scharfe Nägel sind vorher weg. Für das Material ist das fast immer der unnötigste Schaden.
- Ich greife den Strumpf an der Ferse, stülpe ihn bis zur Ferse auf links und schiebe den Fuß dann langsam hinein.
- Die Ferse muss wirklich an ihrem Platz sitzen, bevor ich den Rest des Schafts weiter hocharbeite.
- Danach ziehe ich das Gestrick in Etappen nach oben, nicht mit einem kräftigen Ruck am Bündchen.
- Zum Schluss streiche ich Falten von unten nach oben glatt und prüfe den Sitz noch einmal im Sitzen.
Bei Modellen mit offener Fußspitze ist eine Gleitsocke oft die sauberste Lösung. Bei geschlossener Spitze arbeite ich besonders geduldig über Vorfuß und Ferse, damit das Material nicht verdreht oder unnötig belastet wird. Wenn dieser Ablauf trotzdem zu mühsam bleibt, ist ein Hilfsmittel meist der nächste sinnvolle Schritt.
Welche Hilfsmittel den Alltag erleichtern
Hilfsmittel sind für mich keine Luxuslösung, sondern oft die praktischste Form von Selbstständigkeit. Manche verbessern nur den Griff, andere nehmen fast die ganze Kraft aus dem Vorgang. Welche Variante sinnvoll ist, hängt stark davon ab, ob das Problem eher in den Händen, im Rücken oder in der Beweglichkeit liegt.
| Hilfsmittel | Wofür es gut ist | Grenzen im Alltag |
|---|---|---|
| Handschuhe mit Grip | Mehr Halt am Material, weniger Reibung, besserer Schutz vor Nägeln und Schmuck | Hilft vor allem, wenn noch genug Beweglichkeit vorhanden ist |
| Gleitsocke oder Fußgleiter | Erleichtert das Anziehen bei Modellen mit offener Fußspitze und reduziert Zug am Vorfuß | Nützlich nur, wenn das Strumpfmodell dazu passt |
| Anziehgestell oder Butler | Entlastet bei wenig Kraft, schlechtem Bücken oder eingeschränkter Hüft- und Kniebeweglichkeit | Benötigt etwas Platz und eine kurze Eingewöhnung |
| Gleitfähige Anziehhilfe mit Zugbändern | Hilfreich, wenn der Strumpf über Fuß und Bein kontrolliert nach oben geführt werden soll | Erfordert eine saubere Technik, sonst verschenkt man den Vorteil |
Wenn ich nur eine Regel nennen dürfte, dann diese: Das Hilfsmittel muss zum Strumpfmodell und zur körperlichen Situation passen. Genau hier entscheidet sich oft, ob das Anziehen in drei Minuten erledigt ist oder jeden Morgen unnötig belastet. Danach frage ich zuerst nach den typischen Fehlern, weil sie sich mit wenig Aufwand vermeiden lassen.
Diese Fehler machen das Anziehen unnötig schwer
Die meisten Probleme entstehen nicht durch die Strümpfe selbst, sondern durch kleine, wiederkehrende Fehler. Ich sehe vor allem diese Muster:
| Fehler | Was dann passiert | Was ich stattdessen mache |
|---|---|---|
| Eincremen direkt vor dem Anziehen | Das Gestrick rutscht schlechter und wird schneller überdehnt | Pflege eher abends oder so früh, dass die Haut komplett trocken ist |
| Am Bündchen hochreißen | Das Material zieht sich schief und belastet den Schaft unnötig | In Etappen arbeiten und das Gestrick mit beiden Händen verteilen |
| Falten an Knöchel oder Ferse | Druckstellen und ein unruhiger Sitz entstehen | Nach dem Anziehen immer noch einmal glattstreichen |
| Schmuck, scharfe Nägel oder trockene Hornhaut | Das Material kann beschädigt werden | Vorher kontrollieren und Hände sowie Füße pflegen |
| Zu spät nach dem Aufstehen anziehen | Die Beine sind schon stärker geschwollen, das Anlegen wird deutlich schwerer | Möglichst früh im Tagesablauf starten |
| Falsche Größe oder falsches Modell | Der Strumpf sitzt nicht sauber und fühlt sich dauernd unbequem an | Passform prüfen und bei Bedarf neu vermessen lassen |
Wenn Zehen blau werden, Schmerzen zunehmen, ein Rand einschneidet oder Taubheitsgefühle auftreten, würde ich nicht einfach weiterziehen. Dann stimmt meist etwas mit Sitz, Größe oder Technik nicht, und das sollte man ernst nehmen. Gerade im Pflegealltag ist das ein gutes Signal, Unterstützung nicht aufzuschieben.
Wann Hilfe im Pflegealltag sinnvoll ist
Nicht jede Person kann oder soll ATS-Strümpfe jeden Morgen allein anlegen. Bei eingeschränkter Beweglichkeit, Rückenschmerzen, Arthrose, Kraftverlust in den Händen oder nach einem Eingriff wird das selbstständige Anziehen schnell zur unnötigen Belastung. Dann ist Hilfe kein Rückschritt, sondern eine vernünftige Anpassung an die Realität.
- Ich ziehe Unterstützung früh in Betracht, wenn Bücken, Greifen oder langes Sitzen schwerfallen.
- Ich setze auf Anziehhilfen, wenn die Person zwar mitarbeiten kann, aber nicht genug Kraft für den letzten Zug hat.
- Ich organisiere Hilfe durch Angehörige oder Pflegekräfte, wenn das Anziehen regelmäßig Schmerzen oder Unsicherheit auslöst.
- Ich lasse die Situation neu einschätzen, wenn der Strumpf nur mit Mühe anzugehen ist oder sich ständig verdreht.
Für mich ist der entscheidende Punkt nicht, ob jemand den Strumpf irgendwie angezogen bekommt, sondern ob die Lösung jeden Tag verlässlich funktioniert. Wenn dafür ein Hilfsmittel, eine Einweisung oder eine andere Versorgung nötig ist, ist das im Pflegealltag meist die bessere Entscheidung. Damit die Versorgung langfristig angenehm bleibt, muss aber auch die Pflege des Materials stimmen.
Pflege, Waschen und Tragedauer
Saubere und gut gepflegte Strümpfe lassen sich nicht nur leichter anziehen, sie behalten auch länger ihre Form. Ich achte deshalb auf drei Dinge: regelmäßiges Waschen, schonendes Trocknen und eine Tragedauer, die zur Verordnung passt. Im Alltag heißt das meistens: nicht mit heißer Luft arbeiten, keinen Weichspüler verwenden und das Gestrick nicht auf die Heizung legen.
Ob die Strümpfe nur tagsüber oder auch in Ruhephasen getragen werden, hängt vom medizinischen Ziel und von der Anordnung ab. Bei ATS im stationären Bereich kann das anders aussehen als bei langfristig verordneten Kompressionsstrümpfen. Ich verlasse mich hier nie auf Gewohnheit, sondern auf die konkrete Vorgabe für die jeweilige Person.
Praktisch ist außerdem ein zweites Paar: Während ein Paar getragen wird, kann das andere vollständig trocknen. Das spart morgens Zeit und verhindert, dass man ausgerechnet mit halb feuchtem Material kämpfen muss. Wenn der Strumpf ausleiert, rutscht oder sichtbare Schäden zeigt, gehört er ersetzt, nicht weiter improvisiert.
Wer die Pflege ernst nimmt, macht sich das Anziehen am nächsten Tag automatisch leichter. Am Ende bleibt noch ein letzter kurzer Check, der im Alltag mehr Ärger verhindert als jede komplizierte Technik.
Was ich vor dem ersten Einsatz noch prüfen würde
- Sitzt die Ferse wirklich an der richtigen Stelle?
- Ist das Gestrick faltenfrei und nicht verdreht?
- Fühlt sich der Strumpf gleichmäßig an, ohne zu drücken oder einzuschneiden?
- Passt die Anziehhilfe zum Modell mit offener oder geschlossener Fußspitze?
- Sind Haut, Zehen und Nägel vor dem Anziehen in einem Zustand, der das Material nicht gefährdet?
Wenn einer dieser Punkte nicht passt, würde ich nicht mit mehr Kraft gegenhalten. In der Praxis ist fast immer die Kombination aus Sitz, Technik und passendem Hilfsmittel der Hebel, der wirklich etwas verändert.
